Markus Schwarz im Interview: Entspannung, Technologie und Inklusion

22.10.2026
von Werkstudentinnen
Stimmen des Wandels mit Markus Schwarz
Interview · Oktober 2026
includo Redaktion
Lieber Markus,

Vom internationalen Automobilmanagement zum Gründer von Seroton. Markus Schwarz erzählt, warum ihn das Thema Entspannung heute antreibt, was er auf seinem unternehmerischen Weg gelernt hat und wie er inklusive Wertschöpfung in sein Unternehmen integriert.

Interview · Oktober 2026
includo Redaktion
Lieber Markus,

uns interessieren die Menschen, die Wandel nicht nur beschreiben, sondern ihn selbst mitgestalten. Deshalb möchten wir wissen, was Dich antreibt, welche Erfahrungen Dich geprägt haben und was Du anderen mitgeben möchtest.

Zum Kennenlernen
Wer bist Du und was treibt Dich an?

Ich bin Markus, Mitgründer und Geschäftsführer von Seroton. Im Kern bin ich Ingenieur und Technologe, und ich liebe es, echte Probleme mit Technologie zu lösen. Diese Leidenschaft begleitet mich schon lange. Vor Seroton war ich viele Jahre in der Automobilindustrie tätig und habe zwölf Jahre als Executive Vice President in Asien gelebt und gearbeitet. Was mich heute antreibt, ist persönlicher geworden. Ich möchte Menschen dabei helfen, in einer permanent geforderten Welt ihren eigenen Moment der Ruhe zu finden und diesen auch messbar zu machen.

includo fragt
Welche Veränderung möchtest Du bewirken?

Unsere Welt ist im Dauerstressmodus. Wir sind ständig erreichbar, bekommen Mails und Nachrichten und sind immer online. Stress an sich ist nicht nur negativ. Er gehört zu unserem Leben und kann uns leistungsfähig machen. Aber uns fehlt zunehmend das Gegenstück. Wir brauchen auch den Zustand, in dem Körper und Geist bewusst zur Ruhe kommen und sich erholen können. Genau diese Balance möchte ich zurückbringen. Mit Seroton wollen wir Menschen helfen, das Gedankenkarussell zu unterbrechen und ihren eigenen, messbaren Moment der Entspannung zu finden. Viele Wearables zeigen uns heute sehr gut, wie wir geschlafen haben oder wie belastet unser Körper ist. Wir wollen den nächsten Schritt ermöglichen und nicht nur messen, sondern den Menschen ein konkretes Werkzeug geben, mit dem sie aktiv etwas für ihre Erholung tun können. Unser Relaxation Score soll dabei sichtbar machen, wie der Körper auf eine Session reagiert.

Für mich ist das vor allem Prävention. Damit gibt es auch einen direkten Bezug zu Gesundheit und Wohlergehen, dem Sustainable Development Goal 3 der Vereinten Nationen. Mentale Gesundheit gehört für mich selbstverständlich zu einem gesunden Leben. Gleichzeitig ist mir wichtig, sauber zu formulieren, was wir leisten. Seroton ist kein Heilversprechen. Unser Ziel ist es, Menschen einen leicht zugänglichen Weg zu bewusster Entspannung und Regeneration im Alltag zu geben. Gerade in einer Zeit, in der dauerhafte Belastung für viele Menschen zum Normalzustand geworden ist, halte ich solche regelmäßigen Erholungsmomente für einen wichtigen Baustein der Gesundheitsvorsorge. Meine Vision ist, den Relaxation Score als verlässliche Messgröße für Entspannung zu etablieren.

includo fragt
Was hast Du auf Deinem Weg gelernt?

Zwei Erlebnisse haben mich besonders geprägt. In China bin ich zum ersten Mal ganz selbstverständlich der Kultur des Powernappings begegnet. Nach dem Mittagessen machen Kollegen das Licht aus und laden bewusst wieder auf. Die Haltung dahinter fand ich stark. Ich kann leistungsorientiert sein und Erholung trotzdem als notwendigen Teil davon verstehen.

Über meinen Sport, Brazilian Jiu Jitsu, habe ich außerdem gelernt, welche Rolle die Atmung für Ausdauer, Fokus und Ruhe spielt. Der Schlüsselmoment für Seroton kam mit unserem ersten Prototyp. Wir hatten eine geführte Atemsession entwickelt, bei der das Möbel den Atemrhythmus haptisch unterstützt. Diese physische Führung macht es erstaunlich leicht, im Moment zu bleiben. Da wurde für mich greifbar, welches Potenzial in der Verbindung von Technologie, Körperwahrnehmung und Entspannung steckt. Die größte unternehmerische Herausforderung ist dabei oft nicht der Mangel an Chancen, sondern das Gegenteil. Man muss den Fokus halten und darf nicht jeder guten Idee hinterherlaufen.

includo fragt
Welche Empfehlungen möchtest Du mitgeben?

Drei Dinge liegen mir am Herzen.

1. Baut vom Nutzer aus.
Unsere besten Impulse kommen direkt von den Menschen, die unser Produkt verwenden. Zuhören schlägt Annehmen.
2. Haltet den Fokus.
Das war für mich eine der härtesten Lektionen. Wenn ein Produkt Potenzial hat, entstehen ständig neue Möglichkeiten. Die Kunst ist nicht, möglichst viele Ideen zu haben, sondern bewusst auszuwählen und auch einmal Nein zu sagen.
3. Fangt klein und messbar an.
Man muss die Welt nicht in einem Schritt verändern. Oft sind es kleine, wiederkehrende Rituale, die im Alltag tatsächlich Bestand haben. Genau darin liegt für mich nachhaltige Veränderung.
includo fragt
Welche Rolle spielt sozialer Impact und Inklusion bei Seroton?

Mich beschäftigt schon lange die Frage, wie ich im Rahmen unternehmerischen Handelns auch soziale Organisationen sinnvoll unterstützen kann. In meiner Zeit bei Alfmeier in Asien haben wir dafür unterschiedliche Wege gewählt. Mit der Inclusion Factory in Taicang bei Shanghai haben wir beispielsweise kontinuierlich zusammengearbeitet. Dort montieren Menschen mit Behinderung Komponenten. Wir haben Aufträge vergeben und unter anderem eine Maschine aus unserer europäischen Fertigung gespendet und für den Einsatz vor Ort angepasst. Daraus entstand eine stabile Fertigung mit einem Volumen von rund 20.000 Teilen im Monat.

Ein weiteres Engagement galt Yue Miao. Die Organisation betreibt verschiedene soziale Einrichtungen. Einrichtungen für Kinder mit Behinderung haben wir mit Geldspenden unterstützt und uns auch praktisch an Renovierungsarbeiten beteiligt. Davon klar getrennt entstand in einem weiteren Projekt gemeinsam mit der Heimverwaltung und privaten Spendern eine Werkstatt für bereits erwachsene Bewohnerinnen und Bewohner. Dort wurden einfache Montagearbeiten ermöglicht und damit eine Form von Beschäftigung und Teilhabe geschaffen.

Aus der Praxis

Bei Seroton führe ich diesen roten Faden bewusst weiter. Ein zentrales Bauteil unseres Produkts, der Air-Connector, wird von der WfbM Wemding montiert. Dieser Connector verbindet unsere Seroton Box mit der RelaxMatte oder dem RelaxLounger und ist damit ein funktional wichtiges Element unseres Systems. Für mich ist das ein gutes Beispiel dafür, dass soziale Wirkung und professionelle Wertschöpfung keine Gegensätze sein müssen. Die Zusammenarbeit ist verlässlich, fachlich sinnvoll und regional nah an unserer Produktion rund um Gunzenhausen. Entstanden ist sie über Thomas Meyer, den Leiter der Werkstatt und einen früheren Kollegen aus meiner Alfmeier-Zeit.

Dazu kommt unsere Zusammenarbeit mit includo aus Würzburg. includo schafft einen Zugang zu Produkten aus Inklusionswerkstätten und macht deren Arbeit für Unternehmen sichtbar. Für unsere Messe-Giveaways suchen wir deshalb bewusst nach Alternativen zu anonymen Standardartikeln. Wenn wir beispielsweise Produkte einsetzen, die über solche Werkstätten verpackt oder konfektioniert werden, entsteht mehr als ein Giveaway. Es verbindet einen konkreten Auftrag mit Sichtbarkeit für Inklusion und erzählt gleichzeitig eine Geschichte. Gerade diese kleinen Entscheidungen zeigen für mich, dass sozialer Impact nicht nur in großen Programmen stattfinden muss, sondern Teil ganz normaler unternehmerischer Beschaffung sein kann.

includo fragt
Wie stellst Du Dir eine lebenswerte Zukunft vor?

Mich stimmt optimistisch, dass immer mehr Menschen Erholung genauso ernst nehmen wie Leistung und verstehen, dass beides zusammengehört. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der jeder Zugang zu seinem eigenen kleinen Rückzugsort und zu einem Entspannungsritual hat. Das sollte nicht nach einem starren Zeitplan geschehen, sondern dann, wenn es gebraucht wird. Erholung sollte kein Luxus sein, sondern ein selbstverständlicher Teil des Alltags. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung stärker zusammengedacht werden. Dazu gehören inklusive Wertschöpfung, bewusste Beschaffung und Produkte, die Gesundheit und Wohlergehen unterstützen. Wenn wir beides verbinden, entsteht für mich ein sehr konkretes Bild von nachhaltigem Unternehmertum.

Zum Abschluss
Was inspiriert Dich aktuell?

Mich inspiriert aktuell vor allem das Feedback unserer Nutzerinnen und Nutzer. Viele melden sich freiwillig für unser Innovator Programm und sprechen mit uns darüber, wie sie Seroton in ihren Alltag integrieren und was wir verbessern können. Dabei sehen wir sehr unterschiedliche Rituale. Manche nutzen eine Session nach einem intensiven Arbeitstag, andere vor dem Schlafengehen, wieder andere teilen das Produkt innerhalb der Familie. Mich begeistert, wenn Menschen sich bewusst Zeit aus einem vollen Tag nehmen und merken, dass Erholung nicht kompliziert sein muss. Selbst bei kurzen Demos in einer lauten Messeumgebung erleben wir immer wieder, dass Menschen für ein paar Minuten zur Ruhe kommen. Genau diese unmittelbare Erfahrung ist für mich die stärkste Motivation, weiterzumachen.

Im Gespräch mit der includo Redaktion
Markus Schwarz
Zur Person
Markus Schwarz

Markus Schwarz ist Mitgründer und Geschäftsführer der Seroton GmbH und bringt einen langjährigen Hintergrund als Ingenieur, Technologe und internationaler Manager mit. Vor Seroton war er viele Jahre in der Automobilindustrie tätig und lebte und arbeitete zwölf Jahre als Executive Vice President in Asien.

Erfahrungen mit Technologieentwicklung, internationaler Führung und Produktion treffen bei ihm heute auf ein Thema, das persönlicher geworden ist. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Entspannung und Regeneration einfach in einen leistungsgeprägten Alltag integrieren lassen. Gleichzeitig zieht sich soziales Engagement durch verschiedene Stationen seines beruflichen Weges. Heute verbindet er diesen Gedanken bei Seroton unter anderem mit inklusiver Wertschöpfung.

Markus Schwarz auf LinkedIn →
Markus Schwarz, Mitgründer und Geschäftsführer der Seroton GmbH
Logo der Seroton GmbH
Markus' Unternehmen
Seroton GmbH
Entspannung durch Technologie spürbar machen.

Seroton aus Gunzenhausen entwickelt RelaxMöbel und eine dazugehörige RelaxApp für bewusste Entspannungs- und Regenerationsmomente. Das System verbindet Audioinhalte mit sanften haptischen Impulsen der RelaxMöbel. Zum Angebot gehören unter anderem RelaxMatte und RelaxLiege sowie weitere Lösungen für private und professionelle Anwendungen.

Inklusive Wertschöpfung

Auch soziale Wirkung wird mit der regulären Wertschöpfung verbunden. Der Air-Connector als funktionales Bauteil des Seroton Systems wird von der WfbM Wemding montiert. Die Zusammenarbeit steht damit nicht neben dem eigentlichen Produkt, sondern ist Teil seiner Herstellung.

Seroton kennenlernen →
 
Über die Interviewreihe
Stimmen des Wandels

In der Reihe „Stimmen des Wandels“ stellen wir Menschen und Organisationen vor, die Verantwortung übernehmen und unsere Gesellschaft aktiv mitgestalten. Wir sprechen über ihre Erfahrungen, Ideen und die Veränderungen, an denen sie arbeiten. Damit möchten wir unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und andere Menschen ermutigen, selbst etwas zu bewegen.

Weitere inspirierende Geschichten und nützliches Wissen findest Du
Für Menschen und Gesellschaft
includo Blog

Geschichten, Perspektiven und Einordnungen rund um Menschen, Inklusion, soziale Nachhaltigkeit und gesellschaftlichen Wandel.

Zum Blog →
Für Unternehmen und Organisationen
includo Ratgeber

Wissen und Orientierung für Unternehmen und Organisationen rund um soziale Beschaffung, Inklusion und verantwortungsvolles Wirtschaften.

Zum Ratgeber →
Redaktion & Transparenz

Dieses Interview ist Teil der includo Reihe „Stimmen des Wandels“. Die Antworten beruhen auf den persönlichen Erfahrungen, Einschätzungen und Positionen von Markus Schwarz. Das Interview wurde im Oktober 2026 für die includo Redaktion geführt und sprachlich redaktionell aufbereitet.

Kommentare

Keine Beiträge gefunden.

Rezension verfassen