Viele Kirchengemeinden möchten bei ihrer Beschaffung ökologische, faire und soziale Kriterien berücksichtigen. Dabei treffen unterschiedliche kirchliche Leitlinien, zahlreiche Siegel und die praktische Frage aufeinander, wie sich solche Kriterien im Gemeindealltag anwenden lassen.
Ökofaire Beschaffung ist ein Begriff, den verschiedene kirchliche Stellen für entsprechende Beschaffungsansätze verwenden. Dieser Ratgeber ordnet ein, welche Orientierungen es gibt, welche Kriterien Gemeinden heranziehen können, welche Nachweise bei der Auswahl helfen und wie ein praktischer Einstieg aussehen kann.
Kirchliche Leitlinien und Praxishilfen zur ökofairen Beschaffung setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Wiederkehrende Kriterien sind ökologische Eigenschaften, Aspekte des fairen Handels und soziale Kriterien. Häufig beginnt die Prüfung bereits bei der Frage, ob eine Anschaffung notwendig ist und welche Anforderungen das Produkt tatsächlich erfüllen soll.
Welche Kriterien für eine konkrete Gemeinde maßgeblich sind, hängt von der jeweiligen Landeskirche, Diözese, dem Träger und den dort geltenden Regelungen ab.
Bevor du eine kirchliche Vorgabe für deine Gemeinde anwendest, lohnt sich deshalb zuerst die Frage: Wer gibt die Regel heraus und gilt sie für deine Gemeinde? Kirchliche Orientierung existiert auf mehreren, unterschiedlich verbindlichen Ebenen.
Die EKD-Klimaschutzrichtlinie ist seit dem 1. Oktober 2022 in Kraft. Sie sieht für die Beschaffung der EKD selbst ökologisch zertifizierte und fair gehandelte Produkte vor. Den Gliedkirchen wird empfohlen, entsprechende Regelungen zu treffen. Die Richtlinie bindet sie nicht automatisch.
Landeskirchen und Diözesen können eigene, konkretere Regelungen erlassen. Die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) hat ihre Grundsätze zur ökofairen Beschaffung im Mai 2026 aktualisiert. Auch die Erzdiözese Freiburg hat mit einem Beschaffungshandbuch mit Stand Juni 2026 eine eigene katholische Orientierung veröffentlicht.
Welche Regelung für deine Gemeinde relevant oder verbindlich ist, hängt deshalb von Landeskirche, Diözese und Träger ab. Nicht jede Regel gilt automatisch überall gleich.
„Wir kaufen anders“ ist eine ökumenische Praxisplattform, an der evangelische Landeskirchen und katholische Diözesen beteiligt sind. Sie bietet unter anderem Produktinformationen, Informationen zu Siegeln, Praxistipps und Unterstützung für die schrittweise Weiterentwicklung der Beschaffung.
Die Initiative „Zukunft einkaufen“ hat seit 2008 Materialien und Verfahren für ökofaire kirchliche Beschaffung entwickelt. Die EKD verweist weiterhin darauf als Informationsangebot.
Der „Grüne Hahn“ ist kein eigenständiges Beschaffungsprogramm, sondern ein kirchliches Umweltmanagementsystem. Es umfasst neben der Beschaffung beispielsweise Energie, Wasser, Mobilität, Entsorgung und weitere Umweltaspekte.
Wichtig: Prüfe bei einer kirchlichen Richtlinie oder Empfehlung immer, ob sie von der EKD, deiner Landeskirche bzw. Diözese, deinem Kirchenkreis oder deinem konkreten Träger stammt und welche Verbindlichkeit sie dort besitzt.
Welche Kriterien relevant sind, hängt vom jeweiligen Beschaffungsfall und den für deine Gemeinde maßgeblichen Regelungen ab. In kirchlichen Leitlinien und Praxishilfen begegnen dir unter anderem folgende Aspekte:
Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Inklusionsbetriebe und Sozialunternehmen sind unterschiedliche Organisationsformen mit jeweils eigener Beschäftigungs- bzw. Unternehmensstruktur. Keine dieser Organisationsformen belegt automatisch ökologische Produkteigenschaften, faire Handelsbedingungen oder Ressourcenschonung eines konkreten Produkts.
Wenn eine soziale Eigenschaft für deine Beschaffungsentscheidung relevant ist, kannst du die konkrete Beschäftigungs- oder Herstellungsstruktur des Anbieters prüfen. Für ökologische Eigenschaften oder Fair-Trade-Eigenschaften brauchst du davon getrennte, produktbezogene Nachweise.
Mehr zu den Unterschieden findest du im Ratgeber WfbM, Inklusionsbetrieb und Sozialunternehmen im Vergleich.
Statt möglichst viele Siegel zu sammeln, hilft eine einfachere Frage: Welche Aussage möchtest du prüfen und welcher Nachweis deckt genau diese Aussage ab?
| Aussage oder Kriterium | Passender Nachweis |
|---|---|
| Hoher Recyclinganteil | Produkt- oder Materialnachweis, zum Beispiel eine Herstellerangabe zum Altpapieranteil |
| Bestimmter Umweltstandard | Produktbezogenes Umweltzeichen, zum Beispiel der Blaue Engel |
| Fair gehandelt | Gültige produktbezogene Zertifizierung |
| Soziale Herstellungsstruktur | Dokumentierter Hersteller- oder Partnerstatus mit konkretem Beschäftigungsbezug |
| Langlebigkeit | Technische Produkteigenschaft oder Herstellerangabe |
Ein Beispiel: Bei Hygienepapier sind ein hoher Altpapieranteil und ein anerkanntes Umweltzeichen wie der Blaue Engel konkrete, prüfbare Kriterien. Die pauschale Bezeichnung „umweltfreundlich“ sagt dagegen allein noch nicht, welche Eigenschaft tatsächlich nachgewiesen ist.
Beschaffungsentscheidungen fallen in vielen Bereichen des Gemeindealltags an. Die folgenden Beispiele zeigen mögliche Auswahlkriterien. Sie sind keine Aussage darüber, welche Produkte includo anbietet.
Ökofaire Beschaffung muss nicht auf einmal vollständig umgesetzt werden. Für den Einstieg lässt sich der Prozess in sieben überschaubare Schritte gliedern:
Dieser Ablauf ist eine redaktionelle Bündelung. Er greift praktische Schritte aus kirchlichen Beschaffungsangeboten wie „Wir kaufen anders“ sowie Kriterien aus den Grundsätzen der EKvW auf und fasst sie zu einem einfachen Vorgehen zusammen.
Dieser Ratgeber ordnet Leitlinien, Kriterien und das praktische Vorgehen ein. Wenn du konkrete Produkte für Gottesdienst, Gemeindehaus, Bewirtung, Hygiene, Büro oder Ehrenamt suchst, findest du auf unserer Seite für Kirchengemeinden die passenden Produktbereiche.
Nein. Die EKD-Klimaschutzrichtlinie bindet direkt die EKD selbst; den Gliedkirchen wird empfohlen, entsprechende Regelungen zu treffen. Welche Vorgaben für deine Gemeinde relevant oder verbindlich sind, hängt unter anderem von Landeskirche, Diözese, Träger und dem jeweiligen Regelwerk ab.
„Ökofaire Beschaffung“ wird von verschiedenen kirchlichen Stellen für Beschaffungsansätze verwendet, die insbesondere ökologische und faire Kriterien berücksichtigen und je nach Leitlinie um weitere soziale oder wirtschaftliche Aspekte ergänzt werden. „Nachhaltige Beschaffung“ ist ein breiterer Begriff. Welche Kriterien darunter konkret verstanden werden, hängt vom jeweiligen Regelwerk oder Beschaffungsansatz ab.
Nein. Ein praktischer Einstieg ist über einzelne, regelmäßig beschaffte Produktgruppen möglich. Dabei kannst du zunächst wenige Kriterien festlegen, Erfahrungen sammeln und das Vorgehen anschließend auf weitere Beschaffungsbereiche übertragen.
Das hängt von der Aussage ab, die du prüfen möchtest. Möglich sind beispielsweise produktbezogene Umweltzeichen, gültige Fair-Trade-Zertifizierungen oder dokumentierte Herstellerangaben. Entscheidend ist, dass der Nachweis genau zu der Eigenschaft passt, die für deine Beschaffungsentscheidung relevant ist.
Beschaffung ist nur ein Teil kirchlicher Nachhaltigkeit, aber ein sehr alltäglicher. Wenn du Bedarf, Kriterien und Nachweise systematisch prüfst, kannst du ökologische, faire und soziale Anforderungen Schritt für Schritt in Beschaffungsentscheidungen integrieren.
Entscheidend ist nicht, alles auf einmal umzustellen, sondern nachvollziehbare Kriterien festzulegen und sie bei wiederkehrenden Beschaffungen konsequent anzuwenden.