Weitere Praxisbeispiele rund um soziale Beschaffung findest du im includo Business-Ratgeber
In diesem Beitrag erfährst du:
Unternehmen beziehen ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien systematisch in Produkt-, Lieferanten- und Einkaufsentscheidungen ein. Das klingt nach einem großen Projekt. In der Praxis beginnt es meist kleiner: mit einer bewussten Entscheidung, mit einer Produktgruppe, mit einem Kriterium. Der Unterschied zu einem einzelnen nachhaltigen Einkauf liegt nicht im ersten Kauf, sondern darin, was danach passiert."Nachhaltige Beschaffung bedeutet mehr als den Kauf einzelner grünerer Produkte — entscheidend ist, dass Kriterien wiederkehrend angewendet werden."
"Umweltfreundliche Beschaffung lässt sich nur dann anhaltend und wirksam umsetzen, wenn sie in der Institution organisatorisch verankert ist." — Umweltbundesamt
Diesen Grundsatz formuliert das Umweltbundesamt für umweltfreundliche Beschaffung (UBA, Einführung und Umsetzung). Die Prozesslogik lässt sich auf eine breiter verstandene nachhaltige Beschaffung übertragen, die ökologische und soziale Kriterien verbindet: Ein einzelner Einkauf kann ein sinnvoller Pilot sein. Zum Beschaffungssystem wird er erst, wenn Kriterien auch bei späteren Entscheidungen wieder angewendet werden.
"Welche Nachhaltigkeitsdimensionen sollen Einkaufsentscheidungen tatsächlich beeinflussen — nur ökologische, oder auch soziale?"
Die Bundesregierung will ihren Aktionsplan Nachhaltigkeit 2026 ausdrücklich stärker auf konkrete Umsetzung ausrichten. Der Aktionsplan soll ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit miteinander verbinden und auf handlungsorientierte Ergebnisse im Alltag zielen. Die erste Konsultationsphase ist seit August 2026 abgeschlossen, der finale Plan für September 2026 angekündigt (Bundesregierung, 16. Juli 2026).
Für Unternehmen lässt sich daraus eine praktische Ausgangsfrage ableiten: Welche Dimensionen sollen Einkaufsentscheidungen tatsächlich beeinflussen? Wer sich an den UN-Nachhaltigkeitszielen orientiert, sollte dabei nicht versuchen, einzelnen Produkten pauschal ein SDG zuzuordnen. Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: Unternehmensziel → Beschaffungskriterium → geeigneter Partner oder Produkt → Nachweis. So können etwa soziale Zielsetzungen rund um Beschäftigung und Teilhabe einen Bezug zu SDG 8 oder SDG 10 herstellen, und verantwortungsvolle Beschaffungs- und Konsummuster einen Bezug zu SDG 12. Ob ein konkreter Einkauf tatsächlich dazu beiträgt, hängt von den festgelegten Kriterien und der konkreten Zusammenarbeit ab.

Warum soziale Nachhaltigkeit neben ökologischen Fragen auch Teilhabe und Inklusion umfasst: Was ist soziale Nachhaltigkeit?
"Nicht jede Warengruppe hat dieselben Nachhaltigkeitsrisiken und Hebel — priorisieren macht Nachhaltigkeitsziele zur konkreten Einkaufsentscheidung."
Die IHK Berlin empfiehlt, Nachhaltigkeitsaspekte bei Produkten und Geschäftspartnern systematisch zu prüfen und insbesondere Lieferanten mit hohem Beschaffungsvolumen oder besonderer strategischer Bedeutung zu priorisieren (IHK Berlin, Nachhaltige Lieferantenauswahl). Bürobedarf, Kaffee, Verbrauchsmaterialien, Druckerzeugnisse oder Geschenke sind typische Einstiegsbereiche, weil sie regelmäßig beschafft werden und gut vergleichbare Alternativen existieren.
"Beim Papier zählt Recyclinganteil, bei Kaffee die Herkunft, bei Verbrauchsprodukten Material und Verpackung — Kriterien sind immer produktgruppenspezifisch."
Nachhaltigkeitskriterien unterscheiden sich je nach Produktgruppe. Das Umweltbundesamt stellt Umweltkriterien für über 70 Produktgruppen bereit (UBA, Datenbank Beschaffungskriterien). Bürobedarf ist ein typisches Feld, in dem Kriterien wie Recyclingmaterial, Herkunft und regelmäßiger Bedarf konkret angewendet werden können: Nachhaltiger Bürobedarf für Unternehmen
Bei regelmäßig beschafftem Kaffee können Bio-, Fair-Trade- oder nachvollziehbare Herkunftskriterien eine Rolle spielen: Kaffee für Büros
"Welche Partner zu den eigenen Nachhaltigkeitszielen passen, hängt vom jeweiligen Ziel ab — nicht vom pauschalen Label des Anbieters."
Soziale Beschaffung betrachtet nicht nur das Produkt selbst, sondern auch Herstellung, Herkunft und Lieferbeziehungen. Die EU-Kommission nennt Beschäftigung, menschenwürdige Arbeit, soziale Inklusion und Barrierefreiheit als mögliche Wirkungsfelder sozial verantwortlicher Beschaffung (EU-Kommission, Socially Responsible Public Procurement). Diese Quelle bezieht sich auf öffentliche Beschaffung — die Prozesslogik lässt sich als Orientierungsrahmen aber auch auf private Unternehmen übertragen.
Welche Partner zu den eigenen Zielen passen, hängt vom jeweiligen Ziel ab. Geht es um soziale Teilhabe oder inklusive Beschäftigung, können Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetriebe oder entsprechend ausgerichtete Sozialunternehmen relevante Beschaffungspartner sein. Stehen faire Handelsbedingungen im Vordergrund, können andere Anbieter und Nachweise entscheidend sein. Bei ökologischen Zielen können Kriterien wie Recyclingmaterial, Ressourcenschonung, Langlebigkeit oder anerkannte Zertifizierungen relevant werden. Entscheidend ist nicht das pauschale Label „nachhaltiger Anbieter", sondern die nachvollziehbare Verbindung zwischen eigenem Ziel, Beschaffungskriterium und konkretem Partner.
Wie Produkte aus anerkannten Werkstätten, Inklusionsbetrieben und sozialen Partnerunternehmen praktisch in die Beschaffung eingebunden werden können: Produkte aus Werkstätten kaufen
"Nachhaltige Beschaffung wird belastbar, wenn Kriterien nicht nur definiert, sondern wiederholt angewendet und dokumentiert werden."
Dazu können Beschaffungsrichtlinien, Lieferantenbewertungen, Nachweise und wiederkehrende Prüfungen gehören. Das Umweltbundesamt empfiehlt für umweltfreundliche Beschaffung, die Entscheidung in bestehende Richtlinien oder Prozesse zu integrieren — etwa in Einkaufsrichtlinien, Runderlasse oder Lieferantenstandards. Diese Prozesslogik gilt strukturell auch für nachhaltige Beschaffung, die zusätzlich soziale Kriterien einbezieht. So lässt sich nachvollziehen, warum ein Anbieter oder Produkt gewählt wurde und ob die eigene Einkaufslogik tatsächlich umgesetzt wird.
Bei entsprechend gekennzeichneten Aufträgen an anerkannte Werkstätten kann zusätzlich die ausgewiesene Arbeitsleistung für die Ausgleichsabgabe relevant sein: Ausgleichsabgabe durch Werkstattaufträge senken
"Konkrete, belegbare Eigenschaften kommunizieren — statt Produkte pauschal als grün oder nachhaltig darzustellen."
Ab 27. September 2026 gelten die neuen Regeln der EmpCo-Richtlinie (EU) 2024/825 im Verbraucherrecht (EU-Kommission, EmpCo). Die Richtlinie schränkt insbesondere generische Umweltaussagen ein, wenn die dafür erforderlichen Voraussetzungen nicht erfüllt sind — und erfasst auch irreführende Angaben über soziale Eigenschaften von Produkten. Für Unternehmen wird deshalb wichtiger, konkrete und nachvollziehbare Eigenschaften zu kommunizieren, statt Produkte pauschal als „grün" oder „nachhaltig" darzustellen.
Wichtig für die Einordnung: EmpCo ist Verbraucherrecht, keine direkte neue Pflicht für jede interne B2B-Aussage. Trotzdem empfiehlt sich ein einheitlicher Maßstab über alle Kanäle. Begriffe wie „nachhaltig" oder „ökologisch" sind dabei nicht pauschal verboten — entscheidend sind Kontext, Konkretisierung und Belegbarkeit der jeweiligen Aussage.
"Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetriebe und Sozialunternehmen sind unterschiedliche Akteure — kein homogenes Paket und kein automatisches Nachhaltigkeitszertifikat."
Unternehmen können sie anhand konkreter Kriterien in die Beschaffung integrieren: Welche Leistungen bieten sie? Welche sozialen Zielsetzungen verfolgen sie nachvollziehbar? Wie passt das zur eigenen Beschaffungslogik und zu den definierten Zielen? Wenn diese Fragen konkret beantwortet werden können, ist eine Einbindung in die soziale Beschaffungsstrategie auch kommunikativ belastbar. Was sich dabei nicht belastbar behaupten lässt, ist, dass ein Einkauf bei diesen Partnern automatisch bestimmte Nachhaltigkeitsziele erfüllt oder bestimmte SDGs abdeckt.
Bei includo findest du unterschiedliche Produkt- und Partneransätze für die betriebliche Beschaffung — darunter Produkte aus Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetrieben und Sozialunternehmen sowie Produktbereiche mit konkreten ökologischen Kriterien. Welche davon zu deiner Beschaffungsstrategie passen, hängt von den Zielen und Kriterien deines Unternehmens ab. Weitere Praxisbeispiele im includo Business-Ratgeber
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"Ziele definieren, Warengruppen priorisieren, Kriterien festlegen, Partner auswählen, dokumentieren, kommunizieren — das ist der Unterschied zwischen einem guten Einzelkauf und einer belastbaren Beschaffungsstrategie."
Ein nachhaltigerer Einkauf kann ein guter Start sein. Nachhaltige Beschaffung entsteht aber erst durch Wiederholung. Für umweltfreundliche Beschaffung bezeichnet das Umweltbundesamt organisatorische Verankerung ausdrücklich als Voraussetzung für eine anhaltende und wirksame Umsetzung. Die gleiche Prozesslogik lässt sich auf eine breiter verstandene nachhaltige Beschaffung mit zusätzlichen sozialen Kriterien übertragen. Und genau darauf zielt der Bundesregierungs-Aktionsplan 2026: mehr konkrete Umsetzung, weniger abstrakte Strategie.
Ein einzelner Einkauf nach definierten ökologischen oder sozialen Kriterien kann ein sinnvoller Einstieg sein. Nachhaltige Beschaffung geht darüber hinaus: Kriterien werden systematisch festgelegt, wiederholt angewendet, dokumentiert und überprüft. Das Umweltbundesamt formuliert diesen Grundsatz direkt für umweltfreundliche Beschaffung — er gilt strukturell auch für nachhaltige Beschaffung mit sozialen Kriterien.
Indem du zuerst klärst, welche Dimensionen relevant sind, dann Einkaufsbereiche mit hohem Hebel identifizierst, konkrete Kriterien pro Produktgruppe festlegst und diese Kriterien in Lieferantenauswahl und Bestellroutinen einbindest. Der Weg lautet: Ziel → Kriterium → Partner oder Produkt → Nachweis.
Ab 27. September 2026 gelten im EU-Verbraucherrecht strengere Regeln für Umwelt- und Sozialaussagen. EmpCo ist kein direktes B2B-Gesetz, aber ein sinnvoller Orientierungsmaßstab: Konkrete, belegbare Eigenschaften kommunizieren ist besser als pauschale Claims wie „nachhaltig" oder „grün" — unabhängig vom Kanal.
Indem du bei Lieferantenentscheidungen nicht nur Preis und Qualität, sondern auch Herstellung, Arbeitsbedingungen und soziale Zielsetzung berücksichtigst. Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetriebe und Sozialunternehmen können Teil dieser Strategie sein, wenn die konkrete Partnerstruktur und Wirkung nachvollziehbar sind.
Sie können soziale Beschaffungsziele unterstützen, wenn konkrete Kriterien erfüllt sind und die Zusammenarbeit nachvollziehbar dokumentiert ist. Sie sind kein automatisches Nachhaltigkeitszertifikat und erfüllen nicht pauschal bestimmte SDGs. Entscheidend ist die belegbare Verbindung aus eigenem Ziel, Kriterium und Partner.
Nein. EmpCo verbietet nicht pauschal diese Begriffe, sondern generische Umweltaussagen ohne die dafür erforderliche nachvollziehbare Grundlage. Entscheidend sind Kontext, Konkretisierung und Belegbarkeit. Wer konkrete Eigenschaften benennt statt pauschal zu behaupten, ist auf der sicheren Seite.
Die im Artikel verwendeten Bilder wurden mithilfe generativer KI erstellt.